Das Architekturschauspiel "Der Weltbaumeister" von Bruno Taut ist 1919 entstanden.
Das in sehr pathetischer Weise verfaßte Schauspiel muß im Zusammenhang seiner Entstehungszeit gesehen werden. In die damals junge industrielle Entwicklung, Technisierung und Wissenschaft wurden große Hoffnungen gesetzt. Die Architektur-Moderne vollzog den radikalen Bruch mit traditionellen Architekturformen und Theorien. Es war eine Zeit des Aufbruchs und der großen Visionen.
Doch große Visionen verbergen eine Gefahr. An ihnen haftet etwas Narzißtisches, Absolutes, Vereinheitlichendes, Vereinfachendes. Sie manipulieren zum Zwecke des Eigennutzes. Sie dulden kein Daneben. Sie verlangen nach Huldigung. Sie verblenden den Blick auf die eigene Realität.

Nicht die Vision, sondern die Unfähigkeit mit ihr sachlich umzugehen, ist Ursache für fortschrittsfeindliche Nebenwirkungen.

Die Hoffnungen haben sich nicht bestätigt. Die Technikgläubigkeit ist uns verloren gegangen. Eingetreten ist eine gewisse Ernüchterung im Bezug auf die Leistungsfähigkeit der Wissenschaften.

Mit dem geschichtlichen Wissen heute , 80 Jahre danach, begegne ich dem pathetischen Schauspiel auf karikative Weise. Es ist der Versuch, einer zeitgemäßen Interpretation.

Das Architekturschauspiel wird als Farbaktion in 4 Akten im Rahmen einer Rauminstallation aufgeführt.

Raum I 1.-3. Akt:

1. Vision
Ein pulsierender Lichtstrahl dringt durch eine kleine Öffnung in das Innere der linken Tonne ein
und wird auf dem kegelförmigen Boden der Tonne an die Innenseiten reflektiert. Ein strahlende Gelb, kühl und blendend.

2. Kampf
Schwarze Farbe läuft langsam über die gelbe mittig stehende Tonne. Der Kampf zwischen Vision und Realität. Das Gelb verliert an Reinheit.

3. Hoffnung
Blaue Farbe dringt durch eine kleine Öffnung in die rechte Tonne ein, sammelt sich auf dem Boden und fließt durch die saugfähigen Wandungen der Tonne nach oben.

Raum II 4. Akt:

4. Leben
Ein Projektor projeziert Bilder per Endlosschleife auf mehrere hintereinanderliegende semitransparente Projektionsflächen in schnellem Rhythmus. Es entsteht ein bewegliches heterogenes nur fragmental erkennbares Bild.